Schwanger trotz Pille: wie wahrscheinlich ist das?

Eine Schwangerschaft trotz Pille ist selten, aber möglich; laut gesundheit.gv.at steigt das Risiko vor allem durch Anwendungsfehler. Diese Seite erklärt, was der Pearl-Index aussagt, welche Ursachen die Fachinformationen nennen, woran sich eine Schwangerschaft unter der Pille erkennen lässt und ab wann ein Test verlässlich ist. Eine ärztliche Untersuchung ersetzt sie nicht.

Was der Pearl-Index aussagt

Der Pearl-Index gibt an, wie viele Schwangerschaften auftreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit einer Methode verhüten. Fachinformationen nennen oft zwei Werte: das reine Methodenversagen, also Schwangerschaften trotz korrekter Anwendung, und einen Gesamtwert, der Anwendungsfehler einschließt. Der zweite liegt näher am Alltag.

Für den Alltag nennt gesundheit.gv.at bei der Kombinationspille als Orientierung: ohne Anwendungsfehler weniger als eine Schwangerschaft pro 100 Frauen im ersten Jahr, mit Anwendungsfehlern etwa sieben. Der Abstand zwischen beiden Zahlen zeigt, worauf es ankommt: Der größere Teil der Schwangerschaften unter der Pille geht auf die Anwendung zurück, nicht auf das Präparat. Die Studienwerte in der Tabelle stammen aus verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Teilnehmerinnen und sind nur eingeschränkt vergleichbar; bei Qlaira etwa lag der Wert in der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen höher als in der Gesamtgruppe.

Präparat (Studie laut Fachinformation)Pearl-Index MethodenversagenPearl-Index mit Anwendungsfehlern
Yasmin (Drospirenon und Ethinylestradiol)0,090,57
Qlaira (Estradiolvalerat und Dienogest), 18 bis 50 Jahre0,420,79
Qlaira, 18 bis 35 Jahre0,511,01
Cerazette (Desogestrel, Minipille)nicht getrennt angegeben0,4 (Studie mit höchstens 3 Stunden erlaubter Verspätung)

Die häufigsten Ursachen

Die Fachinformationen nennen drei Gründe, aus denen die Wirkung nachlassen kann: vergessene Tabletten, Magen-Darm-Störungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Das Gesundheitsportal gesundheit.gv.at ergänzt Reisen mit Zeitverschiebung. Im Einzelnen:

  • Vergessene oder zu spät genommene Tabletten. Laut Fachinformation ist das Risiko umso größer, je mehr Tabletten fehlen und je näher das am einnahmefreien Intervall liegt; ein verspäteter Start der neuen Packung nach der Pause ist deshalb besonders ungünstig. Was nach einer vergessenen Pille zu tun ist, steht unter Pille vergessen.
  • Erbrechen in den ersten drei bis vier Stunden nach der Einnahme oder schwerer Durchfall, weil der Wirkstoff dann womöglich nicht vollständig aufgenommen wird.
  • Arzneimittel, die Leberenzyme anregen, etwa Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Barbiturate oder Rifampicin, möglicherweise auch Johanniskraut. Ihr Effekt kann laut Fachinformation nach dem Ende der Behandlung noch etwa vier Wochen anhalten.
  • Zeitverschiebung auf Reisen, wenn die Einnahmezeit nicht angepasst wird.
  • Bei Minipillen mit Desogestrel das Zeitfenster: Laut Fachinformation darf eine Tablette weniger als 12 Stunden zu spät kommen, danach braucht es sieben Tage zusätzlichen Schutz.
  • Häufige Einnahmefehler an sich. Wer oft vergisst, ist mit einer Methode ohne tägliche Einnahme womöglich besser beraten; bei der Wahl prüft die Ärztin oder der Arzt Risiken wie Rauchen über 35, Migräne mit Aura, Bluthochdruck und Thrombosen in der Familie.

Anzeichen einer Schwangerschaft unter der Pille

Mögliche Anzeichen sind laut gesundheit.gv.at das Ausbleiben der Blutung, Übelkeit am Morgen oder ein Ziehen in den Brüsten. Unter der Pille sind diese Zeichen schwer zu deuten: Übelkeit und ein Spannungsgefühl in der Brust zählen zugleich zu den häufigen Nebenwirkungen der Pille, und die Blutung in der Pause ist ohnehin nur eine Abbruchblutung.

Bleibt diese Abbruchblutung aus, unterscheidet die Fachinformation von Yasmin zwei Fälle. Haben Sie die Tabletten vorschriftsmäßig genommen, ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich; bei manchen Frauen bleibt die Blutung in der Pause einfach aus. Gab es vorher Einnahmefehler oder bleibt die Blutung zum zweiten Mal aus, muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, bevor Sie weitermachen.

Bei der Minipille ist eine ausbleibende Blutung häufiger und für sich nicht ungewöhnlich. Laut Fachinformation von Cerazette hängt das weitere Vorgehen davon ab, ob die Tabletten regelmäßig genommen wurden; entsprechend kann ein Schwangerschaftstest sinnvoll sein. Kommen Unterbauchschmerzen hinzu, ist an eine Eileiterschwangerschaft zu denken, die rasch ärztlich abgeklärt werden muss.

Wann ein Schwangerschaftstest aussagekräftig ist

Schwangerschaftstests aus Apotheke oder Drogerie messen das Hormon hCG im Urin. Laut gesundheit.gv.at ist es mit normalen Tests etwa zwei Tage nach dem Ausbleiben der Menstruation nachweisbar. Frühtests versprechen ein Ergebnis schon vor der erwarteten Blutung; je früher getestet wird, desto niedriger ist aber der hCG-Wert und desto unsicherer das Ergebnis, deshalb sollte ein Frühtest nach etwa einer Woche wiederholt werden. Ein Bluttest in der Ordination kann eine Schwangerschaft bereits ab dem sechsten bis neunten Tag nach der Befruchtung zeigen.

Unter der Pille ist der Bezugspunkt die erwartete Abbruchblutung. Bleibt sie nach Einnahmefehlern oder zum zweiten Mal aus, verlangt die Fachinformation von Yasmin, vor dem Weitermachen eine Schwangerschaft auszuschließen; ein Test ist dann der erste Schritt. Ein positives Ergebnis muss ärztlich bestätigt werden, auch weil eine Eileiterschwangerschaft ebenfalls einen positiven Test ergibt. Ein negativer Test sollte ärztlich kontrolliert werden, wenn Sie trotzdem Anzeichen einer Schwangerschaft bemerken.

Positiver Test: was jetzt zu tun ist

Bestätigt sich die Schwangerschaft, setzen Sie die Pille ab, so verlangen es die Fachinformationen. Laut Fachinformation von Yasmin fand sich in umfangreichen epidemiologischen Studien keine fruchtschädigende Wirkung, wenn eine Kombinationspille versehentlich während einer Schwangerschaft eingenommen wurde. Nach diesen Daten spricht die unwissentliche Einnahme in den ersten Wochen nicht für ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.

Für die Bestätigung und die weitere Betreuung wenden Sie sich an eine gynäkologische Ordination, ein Ambulatorium für Gynäkologie oder eine Familienberatungsstelle. Ist die Schwangerschaft gesichert, erhalten Sie laut gesundheit.gv.at in den ersten zwölf Wochen den Eltern-Kind-Pass. Die Kosten der Diagnose übernimmt die Krankenversicherung, wenn sie bei einer Vertragsärztin oder einem Vertragsarzt oder im Fachambulatorium eines öffentlichen Spitals erfolgt; wer in Österreich nicht versichert ist, kann sich kostenlos an eine Familienberatungsstelle wenden.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Nicht jede ausbleibende Blutung ist ein Notfall, einige Situationen gehören aber in ärztliche Hände. Die folgenden Punkte stützen sich auf die Fachinformationen und auf gesundheit.gv.at. Bei starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder einer heftigen Blutung wählen Sie die Rettung unter 144.

  • ein positiver Schwangerschaftstest, denn erst die ärztliche Untersuchung bestätigt die Schwangerschaft und zeigt, wo sie sitzt
  • Unterbauchschmerzen bei ausbleibender Blutung, vor allem unter der Minipille, weil an eine Eileiterschwangerschaft zu denken ist
  • eine zum zweiten Mal ausbleibende Abbruchblutung oder eine ausbleibende Blutung nach Einnahmefehlern
  • ein negativer Test, obwohl Sie Anzeichen einer Schwangerschaft bemerken
  • nach der Pille danach eine Regel, die mehr als sieben Tage zu spät kommt, schwächer ist als sonst oder mit ungewöhnlichen oder starken Schmerzen einhergeht
  • Zwischenblutungen, die über die ersten Monate hinaus anhalten oder nach bisher regelmäßigen Zyklen neu auftreten

Wenn ein Fehler gerade erst passiert ist

Haben Sie gerade eine Pille vergessen oder kurz nach der Einnahme erbrochen, ist es für einen Test zu früh. Wichtiger ist dann, die Einnahme nach den Regeln Ihres Präparats fortzusetzen und zu prüfen, ob eine Notfallverhütung sinnvoll ist.

Die Pille danach ist in Österreich rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Laut gesundheit.gv.at muss sie so bald wie möglich nach dem Verkehr genommen werden, mit Levonorgestrel spätestens nach 72 Stunden, mit Ulipristalacetat spätestens nach 120 Stunden. Sie verschiebt den Eisprung nur einmal; danach sollte laut gesundheit.gv.at mit einer Barrieremethode wie dem Kondom verhütet werden. Frauen ohne Einkommen erhalten sie kostenfrei in einer Familienberatungsstelle der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung. Mehr dazu unter Pille danach.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Für Ihren konkreten Fall bleibt die ärztliche Einschätzung maßgeblich, nicht dieser Beitrag.

Kann man trotz Pille schwanger werden, ohne eine vergessen zu haben?

Ja, aber selten. In der Zulassungsstudie von Yasmin lag der Pearl-Index für reines Methodenversagen bei 0,09. Ohne vergessene Tablette kommen unbemerkte Ursachen infrage, etwa Erbrechen kurz nach der Einnahme, starker Durchfall oder ein Arzneimittel, das den Abbau der Hormone beschleunigt.

Ich habe in der Pillenpause keine Blutung bekommen. Bin ich schwanger?

Nicht unbedingt. Haben Sie alle Tabletten korrekt genommen, ist eine Schwangerschaft laut Fachinformation unwahrscheinlich. Gab es Einnahmefehler oder bleibt die Blutung zum zweiten Mal aus, machen Sie einen Test, bevor Sie mit der nächsten Packung weitermachen.

Ab wann kann ich nach ungeschütztem Verkehr einen Test machen?

Mit einem normalen Urintest ist eine Schwangerschaft laut gesundheit.gv.at etwa zwei Tage nach dem Ausbleiben der Blutung nachweisbar. Frühtests vorher sind unsicherer und sollten nach etwa einer Woche wiederholt werden. Ein Bluttest in der Ordination ist ab dem sechsten bis neunten Tag nach der Befruchtung aussagekräftig.

Schadet die Pille dem Baby, wenn ich sie in der Frühschwangerschaft genommen habe?

Laut Fachinformation von Yasmin fand sich in umfangreichen epidemiologischen Studien weder ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Kindern, deren Mütter vor der Schwangerschaft eine Kombinationspille genommen hatten, noch eine fruchtschädigende Wirkung bei versehentlicher Einnahme in der Schwangerschaft. Setzen Sie die Pille ab, sobald die Schwangerschaft feststeht, und besprechen Sie alles Weitere in der Ordination.

Bin ich im ersten Monat mit der Pille schon geschützt?

Wenn Sie am ersten Tag der Regelblutung begonnen haben, sehen die Fachinformationen keinen zusätzlichen Schutz vor. Wer zu einem anderen Zeitpunkt beginnt, braucht laut gesundheit.gv.at zum Beispiel sieben Tage lang ein Kondom; beim Umstieg von einer Minipille verlangt die Fachinformation von Yasmin sieben, die von Qlaira neun Tage zusätzlichen Schutz. Bei jedem Beginn muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein.

Beeinflussen Antibiotika die Pille?

Manche ja. Die Fachinformation von Yasmin nennt das Tuberkulosemittel Rifampicin unter den Wirkstoffen, die den Abbau der Hormone beschleunigen, die von Cerazette zusätzlich möglicherweise Rifabutin; die Fachinformation von Qlaira erwähnt allgemein Wechselwirkungen mit einigen Antibiotika. Fragen Sie deshalb bei einer Antibiotika-Behandlung ärztlich oder in der Apotheke nach. Führt sie zu Erbrechen oder schwerem Durchfall, kann die Aufnahme der Hormone gestört sein; dann sind laut Fachinformation zusätzliche Verhütungsmaßnahmen nötig.

Ist die Minipille unsicherer als die Kombinationspille?

Nicht grundsätzlich. Laut Fachinformation lag der Pearl-Index von Cerazette in einer Vergleichsstudie bei 0,4 und ist mit dem früher für Kombinationspillen gezeigten vergleichbar. Das Zeitfenster ist bei Desogestrel dasselbe wie bei Yasmin: Die Tablette darf weniger als 12 Stunden zu spät genommen werden, sonst sind sieben Tage zusätzlicher Schutz nötig.